Das Problem: Überhitzung
Meeressäuger sind an kalte Wassertemperaturen angepasst (Ostsee 4-18°C, Nordsee 5-20°C). An Land — vor allem in der Sonne — überhitzen sie schnell.
Kritisch: Schweinswale überhitzen bereits bei 20°C Lufttemperatur. Ab 25°C ist akuter Hitzeschlag möglich innerhalb von 1-2 Stunden.
Hitze-Anzeichen
- Atmung wird schneller, flacher
- Tier ist apathisch, reagiert kaum
- Haut wirkt heiß bei Berührung
- Bei Walen: Hautrötung sichtbar
Erstmaßnahmen Hitze
1. Schatten herstellen
- Sonnenschirm, Sonnensegel, Bettlaken über zwei Stöcke gespannt
- Mindestens 1 m Abstand zum Tier — direkter Stoff-Kontakt stresst
- Schatten sollte den gesamten Körper abdecken
- NICHT direkt über dem Tier verspannen — wirkt bedrohlich
2. Kühlung über Wasser-Tuch
- Meerwasser ist in dem Fall doppelt nützlich: feucht hält + kühlt
- Häufiger erneuern als sonst (alle 5 Min statt 10)
3. Flossen freihalten
Flossen und Schwanz sind Wärmeabgabe-Organe. Niemals zudecken:
- Tuch nur auf Rumpf, nicht auf Flossen
- Flossen feucht halten, aber nicht isolieren
4. Position prüfen
Wenn das Tier auf der heißen Seite liegt, vorsichtig drehen (nur bei Robben — Wale niemals selbst drehen!):
- Vorher: Profis konsultieren wenn Verbindung möglich
- Robben: ja, vorsichtig auf die Seite, die nicht in der Sonne liegt
- Wale: NEIN, falsche Lage kann Lungen kollabieren lassen
Das Problem: Unterkühlung
Im Winter oder bei Robben-Heulern (Jungtiere ohne Fell-Schutz):
Anzeichen
- Zittern
- Apathie
- Bei Berührung: Haut/Pelz kalt
Maßnahmen
- Trockene Decke vorsichtig auflegen (NICHT Wal-Haut bedecken!)
- Windschutz aufstellen (Plane / Auto)
- Bei Heulern: in Karton mit Loch — TIO oder Seehundstation kontaktieren, niemals selbst aufwärmen
Goldene Regel
Im Zweifel: Schatten und feucht halten ist nie falsch.
Alles andere — Drehen, Bewegen, Einwickeln — vorher mit Profis am Telefon klären.